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Ich habe mich Deinem gerechten Willen gefügt, ich habe nicht mehr
versucht, Dich zu sprechen und Deine Hand noch einmal zu drücken. Ich habe
Dich im Augenblicke Deiner Abreise von einem Orte aus gesehen, wo ich selbst
nicht bemerkt werden konnte. Du nähertest Dich dem Fenster, Du gabst
einige Befehle, und ich habe Deine geliebten Züge betrachten können.
Du warst bleich, aber diese Blässe steht Dir so gut, dass Du ohne sie
vielleicht minder schön wärest. Deine Familie war um Dich versammelt,
Du gingst hinunter. T... ging Dir voran, und ich habe Dich einen letzten
Augenblick betrachtet, als Du, Dich aus der Wagentüre lehnend, einen Blick
auf jene Mauern warfst, wo mein Herz vor Schmerz zitterte. Außer mir
folgte ich Deinem Wagen, er wandte um, und ich habe ihn nicht wieder gesehen.
Mögen die Engel über Alma wachen! Alles war für mich aus! An die
Erde durch Pflichten gekettet, welche meine Pein verlängern, schreibe ich
Dir, aber mein Verstand verwirrt sich, und ich leide so grausam, dass kein
Zusammenhang in meinen Gedanken ist. Alma, meine angebetete Alma, wer bist Du,
um Dich so aller Kräfte meiner Seele bemeistern zu können? Welches
Geschick hat mich Dir in den Weg geworfen, um so von diesem verheerenden Feuer
verzehrt zu werden, das alle meine Leidenschaften, alle meine Aussichten
zerstört, und mir keine andere Fähigkeit gelassen hat, als die, Dich
zu lieben? Dein letztes Billet, diese geliebten Züge, welche die Spur
einer Träne trugen, dies Andenken, welches Deinen Namen trägt, sind
hier vor mir, das ist mein einziges Gut; es hätte in meinen Augen ein
Vorbote der Hoffnung sein können, wenn die düstere Verzweiflung und
traurige Ahnungen dieser wohltätigen Stütze Raum ließen. Das
Wetter ist fürchterlich, die Kälte schneidend; meine Alma ist ihr
ausgesetzt; sie wagt eine so beschwerliche Reise, um einem Vater, dessen
Stütze und Ruhm sie ist, einige Tage der Zufriedenheit zu gewähren;
die sanfte und edle Seele, deren göttliches Gepräge ihre Züge
tragen, begeistert sie, das Gute zu tun, sich ohne Prahlerei den ächten
und aufrichtigen Tugenden zu weihen. Ihre Freundschaft hat auf die Neige meiner
Tage einen Strahl unaussprechlichen Glücks ergossen! Durfte ich glauben,
dass meine Glückseligkeit von langer Dauer sein könnte? nein, das war
kaum wahrscheinlich. Alma durchstiegt andre Länder, um in den Herzen
Entzücken und Liebe zu verbreiten; das meine hat Alles gehabt, was es
haben konnte; es hat gelebt, es hat himmlische Gefühle empfunden, es ist
Zeit, dass es stirbt. Wie undankbar bin ich, meine unnütze Klagen Deinem
glücklichen Dasein in den Weg zu werfen. Ich werde es nicht wieder tun,
meine teuerste Alma; ich werde meine Schmerzen verschweigen, und nur an die
Erkenntlichkeit denken, welche ich Dir schuldig bin; Du hast mich auf immer von
meinen Irrtümern befreit; kein Weib kann nach Dir weder meine
Einbildungskraft, noch mein Herz bewegen; keine andere Meinung, als die Deinige
kann mich interessieren, und dieser darf ich gewiss sein. Du hast mich gegen
alle Glückswechsel des Lebens ruhig gemacht, und eine sanfte Färbung
hat sich bis auf das Bild des Todes vor mir ausgebreitet; dies sind so viele
unermessliche Vorteile, die alle von Dir herrühren. Ich habe diese Nacht
schreckliche Träume gehabt, sie betrafen Dich; ich kann sie aus meinem
Gedächtnisse nicht entfernen, so schmerzhaft ist es davon durchdrungen.
Drei Tage sind seit Deiner Abreise verflossen. - Mein Gott, soll ich denn mein
ganzes Leben lang so leiden! Alma, meine Angebetete, wo bist Du jetzt?
Möchtest Du bald bei Deinem Vater anlangen, und dort Zufriedenheit und
Ruhe finden! - Mein Herz wird sie entfernt von Dir nie haben; indessen werde
ich ruhiger sein, wenn ich Dich am Ziele Deiner Reise weiß, wo neue
Erfolge Deiner warten, und um so größere, als man in Deiner
Abwesenheit gesehen haben wird, dass Nichts meine Alma zu ersetzen vermag. Dann
wirst Du mit dem ganzen Glücke einer Künstlerin glücklich sein,
und dieser Gedanke wird den Leiden Deines Freundes eine Erleichterung
gewähren. Ich bin diesen Morgen zu E... gegangen; es ist das erste Mal,
dass ich mich seit Deiner Abreise entschließe auszugehen und mich dem
Hause zu nähern, wo Alles mich an ein unwiederbringlich verlorenes
Glück erinnern musste. E... war nicht zu Hause, und es war besser für
mich, sie nicht getroffen zu haben, denn ich war zu bewegt. Ich bringe ganze
Tage allein zu; der Anblick der Menschen ist mir lästig; ich befinde mich
in einer Lage, wo die Verzweiflung die einzige Nahrung der Gedanken ist, und wo
das Herz mit Abscheu Alles von sich stößt, was es dem Gefühl
seines Schmerzes entzieht. Meine Alma, ich bin versucht zu glauben, dass Du,
wie der Gott der Bayadere, ein Wesen göttlicher Natur bist, welches
verurteilt ist, einige Zeit aus der Erde zu weilen, um in den Herzen den Funken
der reinen Liebe zu erwecken, und eines Tages wirst Du, wieder zu Deiner
himmlischen Wohnung hinaufsteigend, denjenigen mitnehmen, welcher Dich am
innigsten geliebt. Ich hatte meinen Brief nicht auf die Post geben lassen, weil
ich dachte, dass ich vielleicht bald von Dir einen erhalten würde. Diesen
Abend ist er angekommen, dieser engelgleiche Brief! Meine angebetete Alma, die
Freude presst mir das Herz; das ist ein köstliches Weh, an dem man sterben
möchte. Meine Vielgeliebte, verfüge über mich, wie über
einen Menschen, der Dir sein Dasein geweiht hat, der Alles auf der Welt wagen,
für seine geliebte Alma wagen und ertragen würde. Gott mache mit mir,
was er wolle, er hat mir in Dir die größte Wohltat gegeben, welche
meine Seele verlangen konnte; deshalb darf ich mich über Nichts mehr
beklagen. Möge es ihm gefallen, Dich glücklich zu erhalten, möge
Deine Freundschaft für mich beständig sein; dies ist die Hoffnung
meines Lebens; denn das Glück, immer in Deiner Nähe zu sein, ist ein
Traum, mit welchem ich mich zu verlocken nicht wage. Ich fürchtete, dass
Du mich vergessen hättest; nicht etwa, dass ich an Deinem vortrefflichen
Herzen gezweifelt hätte, sondern weil es in Deiner glänzenden
Laufbahn der Tätigkeit und des Ruhms ganz einfach wäre, die
Abwesenden leicht zu vergessen. Lebe wohl, Seele meiner Seele, meine
schönste, meine entzückendste Alma; erinnere Dich, dass Du mir gesagt
hast, wir sollten uns ohne Zwang schreiben, wie Personen, welche auf immer
durch die vertrautesten Bande verknüpft sind; dies war Dein eigener
Ausdruck.
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