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Meine Alma, kaum an's Ziel der außerordentlichen Anstrengungen Deiner
beschwerlichen Reise gelangt, hast Du Dich mit mir beschäftigt, um mir
durch Deinen Brief die köstlichsten Trostworte zu senden. Die Freude wird
krampfhaft in meinem Herzen zurückgehalten, als ob es dieses
flüchtige Gut, welches ein Hauch ihm rauben kann, nicht auszuströmen
wagte. Das Glück, dessen Möglichkeit Du mich in der Zukunft erblicken
lässt, ist so wünschenswert, dass das Schicksal mir kein höheres
gewähren könnte. Deine Güte hat mir einen gerechten Stolz
eingeflößt; ich kann mir keinen Zweck des Daseins vorstellen, als
durch Dich, und ich würde mich für gescheitert mit meinen
Gefühlen halten, wenn sie mich zu einem andern Gegenstande hinzögen;
glaube daher nicht, dass sie sich je verändern könnten; ich habe Dir
eine unverbrüchliche Neigung geweiht. Alma, ich habe nur einen Gedanken,
einen Wunsch, und der bist Du; fern von Deinen Augen ist das Leben für
mich nur eine Reihe von Schmerzen, nur Langeweile. So verrinnen Stunden ohne
Ende, traurige Tage, ohne gegründete Hoffnung, ohne Zukunft! Du forderst
mich auf, meine Einbildungskraft zu zügeln; Du sagst mir, dass Du alle
Kräfte der Vernunft angewandt hast, um in Dir selbst überspannte
Gefühle zu unterdrücken. Deine Seele kann, wie ich nicht zweifle,
mehr als irgend eine andere, eine glühende und aufrichtige
Zärtlichkeit empfinden; glücklich der, welcher Dir sie
einzuflößen vermocht, und das bezaubernde Glück Deiner Liebe
von Dir erlangt hätte! wenn er Dich zu schätzen wüsste, so
könnte ihm keine andere Frau gefallen! Aber gibt es einen Mann, der Deiner
Liebe wert wäre? ich glaube es nicht; Du bist mit einer so ausnahmsweisen
Überlegenheit begabt, dass im Vergleich zu Dir, Du fürchten musst,
nur gemeinen Seelen zu begegnen, deren Vorurteile und Leidenschaften, wenn Du
ihre Huldigungen annähmest, Dich unglücklich machen würden; denn
wenn eine hohe Natur sich in Berührung mit einem mittelmäßigen
Wesen befindet, das sie nicht richtig erfassen kann, so sucht es, da es sich
nicht zu ihr erheben kann, sie herabzuziehen! Und wenn Du einer blinden Neigung
nachgäbest, so würde sie eher auf einen Mann fallen, welcher Deine
Seele durch den mächtigen Einfluss des Kontrastes unterjochte; das
heißt, auf einen Mann, der das Herz und die Schlauheit eines Dämons
besäße, und Dich, wie die scheußliche Schlange ihre Beute,
fesselte. Es gibt keine Gefahr, der ich mich nicht aussetzen würde, um
Dich aus solchem Unglück zu retten! Möge der Anteil des Glücks,
welcher mir von der Vorsehung beschieden ist, meiner Alma gegeben werden, um
sie vor selbstsüchtigen, falschen und boshaften Menschen zu bewahren. Ich
lebe hier in einer vollständigen Zurückgezogenheit; ich gehe selten
zu E..., und nur, um nicht das Ansehen zu haben, als wollte ich mich von ihr
entfernen. Diese Person scheint mir von sehr diplomatischem Charakter, was
nicht mit meinem offnen und leidenschaftlichen Wesen stimmt. Sie besitzt in
einem hohen Grade die Kunst geschickter und zweideutiger Anspielungen, welche
unbestimmte und schmerzhafte Befürchtungen erzeugen, ohne dass man ihr
jedoch vorwerfen könnte, dass sie gerade Böses sagt. Aber jetzt, wo
ich Deines Vertrauens gewiss bin, berühren mich die Worte und Handlungen
Anderer wenig. Lebe wohl, meine Alma, genieße des süßen
Vergnügens, in der Hauptstadt der Welt bewundert zu werden. Möge
Alles in Erfüllung gehen, was Dein Dasein beglücken kann! Nimm Deine
Gesundheit recht in Acht; strenge sie nicht durch das Übermaß der
Arbeit an; und wenn Du nicht mit Deiner Kunst und Deinen geselligen
Verbindlichkeiten beschäftigt bist, wenn Du einen Augenblick des far
niente hast, so denke ein Wenig an Deinen Freund, für den Deine Briefe die
einzige Freude sind. Ich habe den letzten unzählige Male wieder gelesen;
seine sanften Worte beleben mein Dasein wieder; ich werde diesen geliebten
Brief stets auf meinem Herzen tragen.
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