Liebesbriefe.net - Liebesbrief: "AC ... hat mir Deinen Brief überbracht...
Impressum
 
  Liebesbrief ...
   I. Das Urbild der Schönheit
   II. Als Du Dich zuerst meinen Augen
   III. C ... hat mir Deinen Brief überbracht
   IV. Glücklich der, welcher mit Dir offenherzig sprechen darf
  V. Meine teuere Alma!
  VI. Meine angebetete Alma, seit ich Deinen Brief
  VII. Man versichert mich, dass Du
  VIII. Meine Alma, meine Vielgeliebte
  IX. Meine liebe Alma, ich habe heute den Brief erhalten
  X. Meine sehr liebe Alma, ich habe Deinen Brief
  XI. Die Seele scheint eine unbestimmte Erinnerung
  XII. Alma, göttliches Geschöpf, Inbegriff aller Reize
  XIII. Niemals hat ein Engelsantlitz
  XIV. Ich habe mich Deinem gerechten Willen
  XV. Meine Alma, kaum an's Ziel
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Liebesbrief 1 - 67
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III. Liebesbrief



C ... hat mir Deinen Brief überbracht. Du schenkst meinen Schmerzen Teilnahme, und rätst mir, in den zahlreichen Gesellschaften, Schauspielen und Festen, Zerstreuung zu suchen. Gute Alma, wenn die Seele von einem durchbohrenden Schmerze unterdrückt, und ganz und gar nur einer einzigen Leidenschaft hingegeben ist, so werden die Gesellschaft, ihre Freuden, ihre Pflichten, weit entfernt jene zu beruhigen, eben so viel Foltern für sie, welche die in der Ruhe der Einsamkeit durch unwillkürliche Träume der Hoffnung und der süßen Rückerinnerung leise eingeschlummerten Schmerzen wieder aufwecken und vermehren. Das lästige Joch der Formen, welche die Welt auferlegt, verletzt mein Gemüt, und macht es noch empfänglicher für die trostlosen Kontraste zwischen den Gegenständen, welche mich umgeben, und dem geliebten Wesen, das mein Schicksal beherrscht, das über mir schwebend, gleich einem mächtigen Zauber, mich in dem Reste des Weltalls nur Schwächen und Elend sehen lässt; so unterscheide ich in der Schönheit nur ihre Fehler, im Geiste nur seine Kleinlichkeiten und Irrtümer; selbst das Genie und das Talent erwecken in mir nur ein Gefühl der Mutlosigkeit, durch die Ohnmacht in der ich sie befangen sehe, wenn sie dem Übel das mich verzehrt, die geringste Erleichterung verschaffen sollen, und ich fühle mich mehr als jemals durch meine eigene Unzulänglichkeit gedemütigt. Aber wenn die Stunde geschlagen hat, wo jene Notwendigkeit mir nicht ferner auferlegt ist, mir Zwang anzutun, jene Verbindlichkeit, beschäftigt zu scheinen, und an Erzählungen, an Unterhaltungen Teil zu nehmen, welche für mich nur ein lästiges Geräusch sind, wenn die scheinbare Ruhe und das erkünstelte Lächeln nicht mehr auf diesem Herzen lasten, für welches eine frohe Bewegung, wenn sie noch möglich wäre, als ein Verbrechen erscheinen würde, o wenn ich dann! mir endlich allein überlassen, jene Folterbank und jene Ketten abschüttele, welche meine in Schmerz versunkene Seele zerfleische, dann genieße ich wenigstens der Freiheit, mein Leben zu verwünschen.







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